Vlado Martek "The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds"
Aanant & Zoo freut sich den kroatischen Künstler Vlado Martek (*1951) erstmals mit einer Einzelausstellung in Deutschland vorzustellen.
Martek, der in den frühen 70er Jahren Philosophie und Literatur in Zagreb studierte, begann sein künstlerisches Schaffen als Dichter. Bald genügte ihm die reine Schrift als Ausdrucksmittel nicht mehr. Als Mitglied der Aktionsgruppe Group of Six Artists (mit Boris Demur, Željko Jerman, Mladen Stilinović, Sven Stilinović , Fedor Vučemilović) brachte er zwischen 1975 und 1978, unter den repressiven Bedingungen der Tito-Regierung, seine Gedichte und Schriften in freien Vortragssituationen auf die Straße und reicherte sie durch Skizzen und Installationen an. Als Nomade der Künste hat er seine Poesie mittlerweile in jeglichen Kunst- und Ausdrucksformen weiterentwickelt: Seit 1979 ist er als Bibliothekar tätig.
Schrift, Poesie und Sprache bilden die Basis, den Untergrund für Marteks gesamtes Schaffen. In seinem vielfältigen Werk aus Skizzen, Collagen, Aktionen und Büchern findet er seit den 1970er Jahren immer wieder einen neuen Umgang mit und durch die Sprache, negiert und dekonstruiert tradierte Formen um schließlich zur Essenz zurückzukehren. Vlado Martek ist kein stiller Beobachter. Analytisch und kritisch, ironisch und humorvoll kommentiert er in seinen Werken gesellschaftliche Strukturen, so auch in dem in der Ausstellung zu sehenden manifestartigen Text Snaga podloge.
Poesie reduziert Martek als selbstbetitelter Prä-Poet auf ihre konstitutiven Elemente. Der Idee folgend, ein Gedicht werde gemacht, nicht geschrieben, bricht er dieses auf die reine Materialität von Papier, Bleistift oder einzelnen Wörtern auf. Das Alphabet, der Grundstein der Sprache und somit auch der (klassischen) Poesie, versteht der Künstler als symbolische Basis für jegliches Wissen: Zwischen dem ersten und dem letzten Buchstaben vollzieht sich “alles was gesagt werden könnte”. Die Arbeit “Stift und Alphabet” von 2002 vereint die konstitutiven Elemente der Sprache; das Blatt Papier als Unterlage wird zum Handlungsraum: Alles was gesagt oder getan werden könnte, es wäre mit einem Stift, dem Papier und den Buchstaben des Alphabets möglich.
1982 fing Vlado Martek an, eigene Bücher als Editionen zu veröffentlichen. Die samizdats, benannt nach dem russischen Begriff für die autonome Herstellung und Verbreitung von Büchern, beinhalten oft nicht mehr als ein kurzes, analytisch-ironisches Statement, das mit dem derzeitigen oder damaligen politischen Gegebenheiten spielt. Indem Martek sich Slogans und Symbole aneignet, sie dekontextualisiert und in ihrer Bedeutung umkehrt, vollführt der Künstler einen semiotischen Guerillakrieg, der sich sowohl gegen die Staatsmacht wendet als auch an den Betrachter richtet. Diesen fordert er immer wieder auf, die alltäglichen Ideologiestrukturen zu hinterfragen und sich von Autoritäten loszusagen. Viele Arbeiten zeichnen sich durch eine für jedermann einholbare Ästhetik aus. Gefundenes Papier, das bereits Gebrauchsspuren besitzt und die Dauer seiner eigenen Existenz preisgibt, ist oft in Marteks Werken zu finden. Auch Blei- und Filzstift, Aquarellfarbe und Siebdruck sind wiederkehrende Materialien. Der formale Aspekt in Marteks Arbeiten zeichnet sich dabei stets durch eine realistische, anti-mythologische Sichtweise aus, die den Fokus auf die Materialität der Wörter und der Dinge richtet.
In “The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds” zeigt Aanant & Zoo eine Reihe von beispielhaften Arbeiten, in denen Collage, Zeichnung und Schrift aufeinandertreffen und die Materialität von Vlado Marteks Poetik in Form von Papier, Spiegel oder Glas manifest wird. Die Arbeiten setzen sich konzeptuell mit dem Begriff Podloga, kroatisch für Basis oder Untergrund, auseinander, welcher für ihn sinnstiftend in zweierlei Hinsicht ist. Als Ort des Entstehens wird auf der Unterlage geschrieben und gezeichnet, auf ihr werden Spuren hinterlassen oder wird selbst zum Inhalt: In “Was, wie und für wen” (2000) kehrt Martek das Verhältnis des Textes zu seiner Basis, dem Papier um, die Schrift wird durch blankes Papier überlagert. Der Spiegel gewinnt als Unterlage besondere Bedeutung, wirft er doch den Blick des Betrachters wieder auf sich selbst zurück. Martek spielt mit der Beschaffenheit seiner Elemente. Glas, Papier, Spiegel und eine leere Fläche ergeben in “Sonett” (1978/2009) ein Klanggedicht, welches seine Rhythmisierung und seinen “Klang” durch den Wechsel der Materialität erhält.
Vlado Martek
Baudrillard - Duchamp, 1995
Siebdruck auf Papier, 43 x 33 cm, Auflage: 8/35

Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012
Vlado Martek
The Power of Support / Die Kraft des Untergrunds
Installation view, Aanant & Zoo, 2012

