Fernando García "Vakiopaine"
Die Galerie Aanant & Zoo eröffnet ihre neuen Räume in der Bülowstraße mit einer Einzelausstellung des spanischen Konzeptkünstlers Fernando García.
Sprache führte in der Kunst seit jeher zu Missverständnissen. Im Alltag erst recht. Der in Madrid lebende Künstler Fernando García, Jahrgang 1975, nähert sich der Sprache auf einer rein ästhetischen Ebene, Semantik lässt er bewusst weg. García, der an der Complutense Universidad in Madrid Kunst studierte, ist wie ein Kobold, der die Buchstaben an einem Ende in die Tube kehrt, um sie am anderen Ende neu wieder herauszuquetschen. Dabei bedient er sich einer ganzen Reihe von Medien wie Fotografie, Zeichnung, Siebdruck, Soundcollage, Skulptur und Performance. Sprache ist für ihn wie ein Ready-Made, das der Künstler findet, abstaubt und neu arrangiert.
Während eines Stipendiums in Finnland 2009 am "Jyväskylä Centre for Printmaking" entdeckte Fernando García die Exotik der finnischen Sprache. Die schwierigen, langen Wörter mit den vielen Vokalen faszinierten ihn. Er nahm sich Begriffe und Redewendungen vor, die in seinem finnisch-spanisch Wörterbuch aufgelistet waren, und setzte sie neu in Szene, ohne jedoch die klassischen Methoden der Druckkunst zu verwenden. Die "A"-Begriffe landeten, mit spontanen Alltags-Zeichnungen kombiniert, in einer Serie von 138 Aquarellen. Einige absurde Redewendungen, mit dem Buchstaben "T", wurden per Monotype auf Pappe gedruckt. Gegensatzpaare mit "I" ließ García von einem Schlüsselmacher auf unscheinbare Plastikschilder drucken.
Die Beschäftigung mit Sprache ist für García immer auch ein Mittel, um mit Menschen in Kontakt zu treten. Während eines Aufenthalts in Mexiko produzierte er mit Einheimischen Plakate in mexikanischem Spanisch, das er bis dato nicht verstand. Ein Fake-Stipendium in Berlin (der Künstler blieb in Madrid) nutzte García dazu, um die fiktive Band "Die Kuratoren Projekt" zu gründen, die deutsche Songtexte zu 70er Punk-/Rock-Gitarrenklängen performte. Die Songtexte setzte García aus gefundenen Begriffen zusammen, die er nach visuellen Kriterien kombinierte.
Ein Punkrock-Rhythmus steckt in allen Arbeiten Garcías, ganz gleich ob es um Drucke, um Skulpturen oder um Sounds geht. Abbrechen, neu anfangen, sampeln, wiederholen, pausieren – all das sind Methoden, die nicht nur Garcías Umgang mit Sprache ausmachen, sondern seine Idee von Kunst an sich. García ist ein Typ, der warten kann, bis sich ein Kunstwerk zeigt. Oder, der mitten im Prozess aufhört, weil es schon da ist.




